content flatrate usw

2 april 2004

Posted on WOS-list July 23, 2004. Origin of the discussion is the text ”Content Flatrate” and the Social Democracy of the Digital Commons

Das größte Problem mit der Deklaration war, meiner meinung nach, nicht das sie ein System für Pauschalvergütung vorschlug (in gegenteil finde ich jedes Erweitern des ”Gestaltungsraums” nur gut), sondern dass das ganze Verfahren ist in umgekehreter Reihenfolge passiert.
Statt ein Diskussion erst zu erwachen und das WOS als Arena dazu benutzen, kam nun die Deklaration erst (unmittelbar gefolgt von einer Petition, einem nationalistischen Stellungnahme, einer Kampagne etc.) — weil WOS tatsächlich meistens wurde eine Plattform für ein schon (von einige ”copyright experts”) festgelegten Text.

Das ist wahrscheinlich das Grund für die heutige Verwirrung über das Ziel des Flatrate-Vorschlags. Einerseits ist die Deklaration ”ein Versuch, dem Argument ‘es gibt keine Alternative zu DRM’ einen halbwegs konkreten Vorschlag entegenzusetzen” [Felix Stalder, WOS-list, 30.6] oder ”der Reform des europäischen/deutschen urheberrechts zu verhindern, und das ganz konkret” [Thomas Thaler beschreibt die Stellungnahme von Privatkopie.net].
Andererseits geht es doch um etwas größeres: ”giving more people control over their down destiny … being able to make a living from what one likes to do. And the discussion about the flatrate is, in my view, a discussion about how to contribute to that.” [auch Felix Stalder, Nettime, 17.7].
Wir haben also mindenstens zwei verschiedene Ziele, eine Deklaration, und fast keine Diskussion. Nicht überraschend dass einige Dinge ”auf verschiedenen ebenen aneinander vorbei geredet wird”, wie Thomas Thaler ganz richtig notiert.

Unbeachtet alle die praktische Problemen mit ”content”-Abgrenzung und -Abwiegung, würde eine europeische Flatrate-Kampagne eine problematische Stärkerung von einige unterliegende Prämissen mitbringen. Das falsche Formel ”Kulturproduzent = Urheber” ist ein. Ein andere ist wie das Reden über ”Kompensation”, ”Entschädigung” und ”Vergütung” andeutet, das mann hält die Reproduktion des Kunsts als ein Verlust des Künstlers. (”Vergüten: j-m Geld zahlen, bes. weil dieser e-n Schaden od. finanziellen Nachteil gehabt hat ≈ j-d für etw. entschädigen”)

Armin Medosch formuliert ein wichtigen Aspekt: ”die vorstellung, dass es produzenten gibt, auf der einen seite, und konsumenten auf der anderen, die vor allem ‘herunterladen’ wollen, sollten nicht das leitbild der diskussion sein … es geht darum, dieses schema aufzubrechen”. Dafür betont er den freien Zugang zu Rohmaterial und das Recht zu umbearbeitung als wichtiger für KulturproduzentInnen. Wie man dann Geld verdienen kann ist laut Medosch ein andere frage.
Denkwürdig ist doch auch was Felix Stalder schreibt in seinem Einwand; es ist ”wichtig, dass wir uns nicht die (verengte) Sichtweise der Lawyers zu eigen machen” durch eine Überbetonung der juridische Hindernisse. Weiter: ”Ich sehe nicht wirklich ein, wieso Kulturproduktion irgendwie ausserhalb des Ökonomischen stattfinden soll.”
Ich stimme völlig zu, and daraus besteht auch meine Kritik von vielen ”free culture”-Ideologien. Modellen gebaut an einem Versuch, ein deutlicher Unterschied zwichen das Ökonomische und das Politische/Kulturelle zu machen, ist natürlich nichts neues (Wurzeln bei Hegel et cetera). Historisch sind eine mehrheit von Linksideologien schwer davon geprägelt: von Sozialdemokratie, Leninismus und Surrealismus, via Habermas, bis zu viele ”creative commies” und ähnliche Copyright-Kritiker. Der Flatrate-Vorschlag versucht zwar diese Zweiteilung der Zivilisation zu verlassen — aber nur mit dem Voraussetzen einer anderen Trennung zwichen Kulturproduzenten und -konsumenten. Das ganze scheint mir tatsächlich ziemlich gleich.

Wie man die ökonomische Voraussetzungen für freien Kulturproduktion verbessern kann, das finde ich auch das Zentrale punkt dieser Diskussion. Ich habe doch meine Zweifel, ob alle Formen von KulturproducentInnen wirklich so ähnlichen ökonomischen Interessen haben, dass ein monolitisches System für ”Vergütung” überhaupt fördernd werken kann.
Ein flatrate würde eine Erhöherung der Monatsgebühren bedeuten — auch für uns Kulturproduzenten — weil das ”Vergütung” nicht nur sehr ungleich verteilt würde, aber auch sehr verspätet. Nichts zeigt dazu, dass es würde sich verändern mit dem online-Flatrate. Also beruht es auf der Definition von ”Kulturproduzent” ob es die ökonomische Voraussetzungen für Kulturproduktion verbessern oder verschlimmern würde.
Für Künstler die mit ”Un-copyrightable art” (street art, net art, performance art, tanz usw.) arbeiten, und für alle Arten von Live-Artisten (Musiker, Schauspieler, Tanzer…) wäre das Flatrate zweifellos Kontraproduktiv. Auch für Schriftsteller und traditionelle Künstler (z.B. Maler) würde es wahrscheinlich nicht mehr als ein bißchen höhere Lebenskosten und weniger Geld bedeuten.
Selbst würde ich wahrscheinlich von eineim Online-Flatrate profitieren (ich arbeite zum Teil als Musiker und kriege schon jährlich ein nicht unbedeutende Summe Geld vom schwedischen Gegenteil zum GEMA). Meine Musikerfreunden die hauptsächlich klassiches oder traditionelles musik spielen, hätte doch nichts mehr als teurere Internet-Gebühre zu erwarten. Andere Bekannten von mir machen elektronische Musik auf semi-beruflichen Basis. Für sie sind funktionerende cracks zum Cubase und anderen proprietären Musik-Software ein sehr, sehr größer ökonomische Frage als ”Vergütung”.

Leider glaube ich dass die kommende Kampagne von Attac/CCC/Privatkopie.net wird den populären Mythos von Urheberrecht als ein Art von (bisher) funktionierende ”Künstler-Lohn” stärken. Und indirekt auch zum Demonisieren der Tauschbörsen beitragen (”Entschädigung” impliziert ja ein Schaden).
Das bedeutet nicht dass Flatrate nicht diskutiert werden sollte, es ist nämlich ein ausgezeichneter Anfang für ein größere Diskussion. Ein WOS-Veranstaltung über das Thema, wie Thomas und Stefan schlägt vor, wäre echt gut. Hoffentlich wird das Gestaltungsraum nachher nicht so eng wie z.B. in der Juni-Ausgabe von De:Bug, wo es nur zwei Alternativen gab: DRM oder Pauschalvergütung.

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